Freitag, 24. Februar 2017

Rathaus in Kiruna und viel Kunst


Was bisher geschah:

 Die Kommune Kiruna hat natürlich auch ein Rathaus. Dieses Rathaus ist so einigemaßen spektakulär. Einen Achitekturpreis trägt es und drinnen gibt es noch viel mehr als nur Architektur zu bewundern. Die Kommune Kiruna vergibt Kunststipendien und die entsprechenden Künstlernden spenden jährlich ein Kunstwerk der Stadt, das dann im Rathaus ausgestellt wird (wenn ich die Erklärung auf schwedisch richtig verstanden habe). Dieses Verwaltungsgebäude ist also quasi ein Museum. Öffentlich und umsonst zugänglich für alle. Und es gab noch so viel mehr zu entdecken, als nur Kunst.


 Sámische Kunst direkt am Eingang.











 Okay, die letzten waren wohl eher so unbeabsichtigte Kunstwerke, aber wunderbar fand ich sie auf jeden Fall. Definitiv sehr beeindruckend alles.


 In einem solchen Verwaltungsgebäude würde ich auch gerne auf meinen Termin für einen neuen Pass oder so warten wollen. Das geht hinüber zum Freutag.

Donnerstag, 23. Februar 2017

Ein Rock, drei Kostüme, elf Fakten und Alaaf!


 Triggerwarnung: Sexuelle Übergriffe bei Fakt 7.
 Ich jage diese Triggerwarnung einmal vorweg, auch wenn es hier um feine Dinge gehen soll. Aber lieber einmal zu viel als zu wenig gewarnt. Oh ja, Frau Jule LIEBT Karneval. Darum heute mal ein neues Röckchen, welches ich für diesen Zweck genäht habe, drei Kostüme und ein paar Fakten rund um meine Liebe zum Karneval. Ganz von Astrid inspiriert, in deren karnevalistische Linksammlung das heute auch noch darf. Zum RUMS darf das heute auch noch. Natürlich werden das bei mir heute elf Fakten:


 1. Ich bin ein bönnsches Mädsche. In Bonn geboren und immerhin knapp 22 Jahre meines Lebens habe ich im karnevalistischen Rheinland verbracht. Zwar sind meine Eltern beide keine urrheinischen Menschen, aber sobald man im Rheinland in den Kindergarten kommt, muss man mitmachen oder leiden. Ich habe beide Phasen durchgemacht. Grundsätzlich verfüge ich über eine ordentliche, karnevalistische Sozialisation. In einem Karnevalsverein war ich allerdings nie. Ich bin auch nicht katholisch oder habe jemals in meinem Leben gefastet.

 2. Natürlich habe ich als Kind Karneval geliebt. Kostüme und Kamelle, welches Kinderherz würde da nicht höher schlagen? Als beginnender Teenie konnte ich mit Karneval lange nichts anfangen und bin regelmäßig aus dem Rheinland geflüchtet. Erst mit 17 entdeckte ich die Vorzüge dieser wilden Feierei wieder für mich.

 3. Als ich in Frankfurt studierte, kam ich immer zurück ins Rheinland, um dort Karneval zu feiern. Fasching ist einfach nicht das selbe.


 4. Ich habe IMMER eine rote Nase in meiner Tasche. Egal ob Karneval oder nicht. Diese rote Nase hat mir schon viele Situationen erträglicher gestaltet.

 5. In Hamburg hatte ich mal eine Klasse, die um 11:11h immer kurz aber komplett ausgerastet ist. Irgendwann habe ich denen mit roter Nase mal erklärt, was es mit dieser Uhrzeit auf sich hat, dass man da in Hamburg nichts zu lachen hat und dass Schulen im Rheinland an Karneval um 11:11h erst feiern und dann ein langes Wochenende lang zu sind. Danach waren sie ziemlich neidisch auf die Lernenden im Rheinland und so traurig, dass zumindest ich um 11:11h in dieser Klasse meine Ruhe hatte. Während meines Refrendariats in Krefeld fand ich neben der Feierei auch das laaaaange, freie Wochenende immer ganz fantastisch.

 6. Ich mag an Karneval auch sehr die politische Seite. Karneval ist tradtitionell immer eine Zeit in der "der kleine Mann" mit denen da oben abrechnet. Büttenreden, Mottowagen auf den Umzügen ziehen die Politik ordentlich durch den Kakao. Kabarett und Karikaturen. Auch die Blas- und Bumskapellen in den Uniformen kann ich gut ertragen, sind sie doch eine Parodie auf die ehemaligen französischen Besatzer der Rheinlands.


  7. Karneval ist leider oftmals auch eine ziemlich sexistische Kackscheiße. Ich möchte hier nichts bagatellisieren oder herunterspielen, aber da wo viel geschunkelt und gebützt (geküsst) wird, verschwimmen die Grenzen. Es wird gegrapscht, bedrängt und Sprüche gekloppt. Diese Übergriffe kennen im Karneval erfahrungsgemäß kein Geschlecht oder sexuelle Orientierung. Das ist wohl ein trauriges Phänomen, das immer da auftritt, wo Party, Alkohol und ein Haufen Menschen zusammenkommen. Um so oder so schlagfertig zu bleiben, bleibe ich bei solchen Veranstaltungen übrigens immer nüchtern. Das fällt mir nicht schwer, ich kann auch ohne Alkohol Spaß haben. Karneval hat mich für Gegenden wie St. Pauli und das Leben im Allgemeinen gut gerüstet und Arschlöcher können mir den Spaß am Feiern nicht verderben. Und es muss dabei auch nicht diskutiert werden, dass einige Kostümierungen ja auch nur danach schreien würden.

 8. Auch rassistische Kackscheiße findet man im Karneval viel. Rheinische Menschen gelten grundsätzlich als weltoffen und tolerant, aber das mit "Indianer"kostümen und ähnlichem, ist vielleicht noch ein bisschen jenseits des Verständnisses. Warum solche Kostüme kacke sind, hat Ella mal erklärt. Zu finden hier und ein Nachschlag hier

 9. Ich kann ungefähr alle traditionell kölschen Karnevalslieder und die größten Hits von UDO JÜRGENS von vorne bis hinten mitgröhlen. Schlager kann ich wirklich NUR an Karneval ertragen. Karneval eignet sich herrlich zum ungehemmten Gröhlen, Brüllen und laut und falsch Singen. Ich brauche das manchmal. Das gibt es in Hamburg ja nur bei Pauli im Stadion. In der Schule schreie ich eher selten. Das hilft eh nicht.


 10. Von Weiberfastnacht bis Rosenmontag ist die einzige Zeit im Jahr, in der ich in Hamburg wirklich ganz schlimm sowas wie Heimweh habe. Mein Herz blutet dann immer. Denn nein: Reeperbahn und Schlagermove sind NICHT wie Karneval.

11. Eigentlich sollte ich heute schon im Rheinland sein und wild feiern. Leider hat meine diesjährige Feiergesellschaft aus Gründen absagen müssen und ich habe eine dicke Erkältung. In der Regel wird man nach Karneval krank. Ich werde dieses Wochenende noch ins Rheinland fahren. Schließlich habe ich das erste Mal in meinem Leben eine Karte für eine echte Karnevalssitzung und wenigstens einen Karnevalszug muss ich sehen. Irgendwer muss die Viren ja mit auf die Party bringen. 


 Der neue Rock funktioniert nicht nur an Karneval super. Bestimmt macht der sich auch beim nächsten Hafengeburtstag ganz gut.


 Da es an Karneval auch gerne mal ein bisschen frischer zugeht, ist es wieder ein doppeltes Röckchen geworden. Ich hatte einen solchen schonmal genäht. Dieses Mal ist er nicht so bauschig geworden, weil ich nur einen halben Meter Ankerstoff im Haus hatte. Passt aber auch so. Ich weiß nicht, ob ich es großartig oder erschreckend finden muss, dass ich die restlichen Kostümteile ganz normal in meinem Kleiderschrank hängen habe...


 In diesem Sinne: ALAAF!!!!! Feiert schön und wild und bunt und närrisch!

Mittwoch, 22. Februar 2017

Kirunas Kirche


Was bisher geschah:


  Das erste Bild zeit den Sonnenaufgang um 9 Uhr in Kiruna. Okay, eigentlich kam die Sonne im Januar nicht viel höher als dort zu sehen und verschwand um 14 Uhr wieder hinterm Horizont. In der Zwischenzeit gab es viel zu entdecken, bevor es Nachts wieder auf Nordlichtjagd ging.


 Eine große Kirche gibt es in Kiruna. Die wird beim großen Umzug auch so mit umgesetzt. Sie ist einer samischen Holzkote nachempfunden. Ich fand sie einfach nur wundervoll. Ganz aus Holz gebaut, krachte und knackte es im Inneren immer so wundervoll. Man konnte dem Holz beim Arbeiten zuhören.







 Der christliche Glaube und die Missionierung zerstörte vor vielen Jahren viel von der sámischen Tradition und Kultur. An anderer Stelle gibt es ganze Dörfer, die nur entstanden, damit die Menschen aus den entfernteren Regionen wegen des verpflichteten Kirchgangswochenendes irgendwo wohnen können. Wer weiß, was diese Kirche alles auf dem Gewissen hat. Wundervoll anzuschauen war sie allemal. Man findet viele solcher Holzkirchen im Norden. Diese muss für heute reichen.

Dienstag, 21. Februar 2017

Für einen harten Hessen


 Ich habe es schon wieder getan: Eine Decke aus alten T-Shirts genäht. Immerhin ist das schon die sechste Decke in diesem Stil. Dieses Mal für einen alten lieben Kumpel aus Frankfurt. Es ist ja immer wieder ganz großartig, wenn ich mit den Kerlen diese Decken plane. Aus Frankfurt wurden mir die Shirts per Post zugeschickt. So ein Paket aufzumachen finde ich ja immer spannend. Solche Shirts sagen doch viel über ihre Trägerschaft aus.


 Bandshirts machten hier nur etwas die Hälfte der Lieferung aus. Viele hatten einen Druck auf Vorder- und Rückseite, so dass es ausreichend Material für eine komplette Decke gab. Harte Musik ganz klar. Die Rückkseite bildet dicker, schwarzer Sweat.


 In dieser Decke durfte ich auch das erste Mal ein paar hart lokalfolkloristische Shirts vernähen. Es waren auch Shirts und ein Zipper aus dem Fanequipment der Eintracht Frankfurt dabei. Ein bisschen schmunzeln musste ich über den "Krifteler Kerbeborsch". Kriftel ist der kleine Ort aus dem viele meiner Frankfurter Bezugsgruppe kommen. Kerb ist die hessische Variante von Kirmes. Ein Krifteler Kerbeborsch ist ein Teil von einer Art Kirmeskollektiv, die zusehen, dass es auch eine gute Kerb wird. Daneben die Rückseite eines Shirts einer harten Band. Ich finde den Widerspruch ja gar nicht mal so hart. Eher ursympathisch. Think global, act local, auch wenn es im Party geht.


 Der Shirtlieferung lagen noch zwei Baumwollbeutel der Eintracht bei. Der Auftraggeber wollte gerne, dass diese einen Platz in der Decke bekommen. Da aber alle Plätze in der Decke belegt waren und ich etwas Zweifel aufgrund des anderen Materials hatte, spendierte ich zwei Kissenbezüge passend zur Decke. Man kann ja sagen, was man will, aber die Eintracht und besagte Fangemeinschaft hat zu meiner Fußballsozialisation ordentlich beigetragen. Dass mein Fußballherz später nach St. Pauli abwanderte ist so logisch wie erwartbar.



  Zwei neue Kissen und eine Decke mit den Maßen 150 x 240cm. Auf jeden Fall hat einer meiner Lieblingshessen jetzt das perfekte Equipment zum Auskatern auf dem Sofa nach Heimspiel oder Kerb.


 Am Ende fand ich, dass all das unglaublich hart und cismännlich geworden ist. Was nur bedingt dem Menschen gleichkommt, für denn diese Dinge bestimmt sind. Da konnte ich mir das Einwickeln in dieses ebenfalls unfassbar kitschige und liebreizende Band nicht verkneifen. Mehr so als Augenzwinkern.


 Ich wünsche somit jedenfalls fröhliches Rumhängen mit diesem neuen Sofaequipment. Ich hatte ein bisschen Spaß dabei. Für heute darf das noch schnell in die Dienstagssammlung.

Montag, 20. Februar 2017

Der inklusive Montag: Behindert ist nicht witzig


 Der RUMStag ist ja immer ein herrlicher Inspirationspool. Für meinen heutigen Beitrag lieferte mir eine Bloggerin mit einem Zitat aus einer Einladung für eine Karnevalsfeier eine ganz gruselige Inspiration. In der Einladung hieß es "Ideenbehinderte" mögen bitte wenigstens eine Narrenkappe anlegen. Ich konnte meine Klappe nicht halten und kommentierte dies. Leider wurden die Kommentare die sich daraus entsponnen von der Bloggerin gelöscht, daher ein kleines Gedächtnisprotokoll:

 Frau Jule: "Schöne Narrenkappe, aber hat noch niemand wegen des Begriffs "Ideenbehinderte" aufgeschrien? Das ist ja schon ziemlich diskriminierend."

 Bloggerin: "Ich denke das war als schwarzer Humor gemeint."

 Frau Jule: "Ah, verstehe. So wie Negerwitze. Dann ist das nicht meine Art von Humor. Da kann ich nicht drüber lachen."

 Es war nicht besonders elegant von mir. Das stimmt wohl. Das war so platt, dass es unter der Tür durchpasste und das tut mir leid. Aus dem Kontext gerissen, hätte mir das auch ordentlich um die Ohren fliegen können. Ich hätte durchaus differenzierter argumentieren können und vielleicht auch müssen. So wurden meine Kommentare gelöscht und somit war aller Aufschrei dahin. Andere Kommentierende haben sich nicht daran gestoßen, fanden "Ideenbehindert mag wohl ein ganz wunderbares Wort sein, aber du bist das bestimmt nicht". Niemand sonst hat sich daran gestoßen. Ich stand da also eher alleine rum mit meinem Antidiskriminierungsfähnchen. Den betreffenden Blog werde ich hier nicht verlinken, da ich die Folgen nicht absehen kann. Einen Link zu diesem Beitrag werde ich der Bloggerin aber zukommen lassen, zumal ich ganz leise vermute, dass besagter Blog eine ordentliche Reichweite hat und offensichtlich mit namhaften Unternehmen kooperiert.


 Warum ist dieser Begriff also nicht lustig? Zunächst mal ganz simpel: Der Begriff bagatellisiert Behinderung. Behinderte Menschen und deren Angehörige müssen sich tagtäglich mit Diskriminierung, Ausgrenzung und Barrieren rumschlagen, die nicht mit einer lustigen Mütze auf dem Kopf beseitigt werden können. Welche Blüten das treiben kann, kann man auf diversen Blogs nachlesen. Z.B. bei Anastasia, Laura Gehlhaar, Jule Stinkesocke oder Mareice. Das sind nur vier Beispiele. Das WWW ist voll mit solchen Blogs. Fragt mal wie oft sie es "witzig" finden, behindert zu sein bzw. zu werden. Dass die Verwendung dieser Begriffe, aber durchaus einen diskriminierenden Wert hat, wird auch da klar, wo sie als Beleidigungen eingesetzt werden. Natürlich könnte man mir nun auch vorwerfen, ich sei ja nicht behindert und hätte somit nicht das Recht da aufzustehen und laut rumzukrakelen. Mache ich aber trotzdem und ich mache auch gerne den Erklärbär (ich lasse das mal des Reimes wegen im Maskulin stehen). Ich werde hier nicht mit Wittgenstein kommen, denn ich finde es immer ganz fein, wenn Menschen mich verstehen.

 Da ich Lehrerin in Klassen von Jahrgang 5 bis 10 bin, ist auch das Thema "Witze, Beleidigungen und Flüche mit Begriffen wie "behindert", "Mongo" oder "Spast" und Co." häufig Thema meiner Interaktion mit Lernenden. Egal ob Pausenaufsicht oder Unterricht, ahnde ich den Gebrauch dieser Begriffe hart. Da den Lernenden aber oft nicht bewusst ist, dass hinter dem Gebrauch dieser Begriffe noch so viel mehr als eine direkte Beleidigung des Gegenübers oder der Sache steht, thematisiere ich das vorher mit ihnen. Am Einfachsten ist das natürlich, wenn ich sie im Unterricht habe. Dann erzähle ich ihnen etwas vom Leben von Menschen mit Behinderung. Von den Barrieren und alltäglichen Diskriminierungen. Da ich häufig mit multikulturellen Lerngruppen zu tun habe, kann ich da oft Berichte alltäglicher Diskriminierung meiner Lernenden zurückgreifen. Und da können sogar Lernende aus einer fünften Klasse mitreden. Seien es Hautfarbe, Religion, Nationalität, Klamotten, sozioökonomischer Stand.... Oft höre ich die Kinnladen dann auf die Tische knallen, wenn sie diese Transferleistung hinbekommen. Es erzeugt auch meistens direkt Solidarität mit behinderten Menschen. In der Erfahrung und dem Begreifen der Diskriminierung werden sie zu Verbündeten. Ich kreide ihnen ihr Nichtwissen niemals an. Sie sind jung, sie wissen vieles (noch) nicht, sie gehen in die Schule, um zu lernen. Auch solche Dinge. Im politikdidaktischen Kontext heißt das Ziel ja Demokratiekompetenz. Da gehört Diskriminierung und Gewalt erkennen, benennen und bestenfalls beseitigen dazu.


 Beleidigungen sind nicht in Ordnung, das steht fest. Die werden so oder so geahndet. Dass man Pubertieren dann aber wenigstens das Fluchen lassen soll, enden solche Erklärbärstunden auch gerne damit, dass wir korrekte Flüche und Schimpfwörter sammeln. Spätestens dann wird das harte Thema witzig und spaßig. Und auch ich kann mein Fluchrepertoire erweitern. Dooferweise gehöre nämlich auch ich zu den Menschen, die gerne und viel Fluchen und das auch in Gegenwart von Lernenden, wenn ich z.B. meinen Tee über mein Lehrbuch kippe oder der Beamer schon wieder nicht funktioniert.

 Bisher habe ich so immer alle Lernenden erreicht. Ziemlich oft ist mir das Herz auch explodiert, wenn ich beobachten konnte, dass meine Lernenden nach diesen Stunden als Multiplizierende durch die Schule laufen. So griffen sie bei Auseinandersetzungen auf dem Schulhof oder im Unterricht ein: "Ey, hast du gerade "behindert" gesagt? Das macht man aber nicht, weil..." oder ich in neuen Mischkursen meine Lernende den Sachverhalt ihren Mitlernenden erklären lassen kann. Besonders spannend wurde es in meinen 10. Klassen, als ich zum Thema Nachkriegszeit das Referatsthema "Krüppelbewegung" vergeben wollte. Da hörte ich die gesamte Klasse aber mal ganz scharf einatmen und "Frau Jule!!!! Das sagt man aber nicht!" aufschreien. Da war ich mal kurz voller freudiger Liebe. Das Referat, das zwei meiner Lernenden zum Thema gehalten haben, war übrigens der Knaller und der gesamten Sache sehr dienlich. Ich würde mir wünschen, dass sie dieses Wissen und diesen Einsatz auch jenseits der Schulgrenzen in der Welt zeigen.


 Ob ich den Begriffe aus dem Kontext "Behinderung" als Beleidigung oder als Witz gebrauche, macht keinen Unterschied. Beides ist nicht schlau. Ja, es ist richtig: Ich habe nicht den blassesten Schimmer davon, wie es ist, behindert zu sein oder zu werden. Ich kann nur beobachten, mit Menschen in Kontakt treten und darüber sprechen. Ich bekomme es in meinem Jugendclub für geistig behinderte Jugendliche oft mit, dass sie geknickt ankommen, weil sie sich schon wieder einen Behindertenwitz oder eine solche Beleidigung anhören mussten. Die sind vielleicht geistig behindert, aber dumm sind sie nicht. Von Diskriminierung habe ich als nichtbehinderte, hellhäutige, kulturell und ökonomisch gut situierte Frau eine rudimentäre Ahnung. Für mich gilt aber immer: Lieber einmal zu viel gegen Diskriminierung aufgestanden als sitzengeblieben. Ich kann nicht für Inklusion sein und bei sowas dann meine Klappe halten. Manchmal fliegt mir dabei die Bestrebung, die Dinge so unkompliziert wie möglich zu erklären, um die Ohren, wie bei dem eingangs erwähnten Beitrag. Man mag unkreativ sein. Aber darum ist man noch lange nicht behindert. Und lustig ist das auch nicht. Denn behindert sein und werden, ist glaube ich kein Spaß. Grundsätzlich gilt immer: Achte auf deine Gedanken, sie werden deine Worte und deine Taten sein. Sollten hier behinderte Menschen mitlesen und das anders sehen als ich, lasst es mich gerne wissen. Ich bin durchaus entwicklungsfähig und höre mir Kritik und neue Denkanstöße gerne an.

 Zum Weiterlesen zum Thema "Behinderung, Diskriminierung und Sprache" hier auf dem Blog:

Der inklusive Montag: ...und die antifaschistische Szene

 Beim Verfassen meiner Beiträge zum Thema Inklusion orientiere ich mich an den Begriffsorientierungen der leidmedien.de/. 

Sonntag, 19. Februar 2017

7 Sachen # 6. 17

 Immer wieder Sonntags... 7 Bilder von Sachen, für die ich an diesem Tag meine Hände gebraucht habe. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist unwichtig. Nach einer Idee von Frau Liebe. Gesammelt werden die Sieben jeden Sonntag bei Anita.


1. Gestickt: Während der Mann sich ausgehfein machte. Der Fussel meinte dazu nur: "Kaum lässt man dich aus den Augen, schon hängst du an der Nadel." Richtig.


2. Geladen: Den Mann zum Frühstück in eines unserer 239874 Lieblingscafés.


3. Gelaufen: Nach Hause. Das schien mir zuerst eine gute Idee, auch wenn der Himmel grau war.


4. Gehängt: Den nassen Mantel zum Abtropfen und Trocknen über die Badewanne. Es fing dann auf dem Weg doch an zu regnen. Der Mumin ist übrigens ein Reflektor. Ich hatte auf meiner Reise durch Schweden den Eindruck, das sei dort der neueste Trend. Darum habe ich ein paar für meine Lieblingsmenschen mitgebracht. Safety first und so.


5. Geschoben: Zeug vom Kreativzimmertisch. Zeit zum Werkeln.


6. Gezogen: Hilfslinien mit alternativen Hilfsmitteln.


7. Genäht: Im Kreis und dabei Gedanken gedreht. Herrje. Der Tag ist ja noch jung, vielleicht bekomme ich was niedergeschrieben, bevor das Bett ruft. Habt einen entspannten Restsonntag.

Samstag, 18. Februar 2017

Samstagskaffee und Netzfunde # 6


 "Welche Nationalität hast du?" 
 "Ich bin Trinkerin."- Für ein Leben ohne Nationalismus!
  In diesem Sinne lege ich heute mal vor. Kaffee, frisch gepressten Orangensaft und Tee. Und was für eine herrliche Woche war das bitte? Okay, ich habe hier auf dem Blog ein bisschen viel gemotzt, aber auf der anderen Seite konnte ich mein Motzkartoffelgesicht auch mal wieder in die Sonne halten. Hilft ja auch. Die kleinen Dinge im Leben und so. Ein paar feine Sachen im Netz habe ich dennoch gefunden:

 Irgendwie ja auch bescheuert. Da lebt man in einem Land, in dem das Trinkwasser aus jedem Wasserhahn kommt und dann kauft man trotzdem noch Wasser in Flaschen und produziert Müll. Eine neue Karte in Hamburg soll da Abhilfe schaffen. Man könnte auch einfach in einem Café oder eine Kneipe im Waschbecken der Toilette seine Flasche füllen, doch selbst die Toilettenbenutzung für Nichtgäste kostet häufig Geld... Man fragt sich....

 Triggerwarnung Esstörung. "Die meisten berühre „das Trauen, sich so zu zeigen“ und dieses „Man kann so aussehen und trotzdem erfolgreich sein.“"  Diese Geschichte zu den Bildern und die Bilder haben mich sehr beeindruckt. Es ist doch irgendwie immer das selbe und egal wie man es macht, es ist nicht richtig.

 Apropos Körper, Fatshaming und haste nicht gesehen. In Natalies Gemischtwahnlädchen habe ich eine großartige Abrechnung mit einer großen Supermarktkette gefunden. Richtig! Wichtig! Richtig!

 "What the fuck?!?!", dachte ich, als ich las, dass in britischem Geld Tierfett enthalten ist. Das ist ja super ekelhaft. 

 Und zum Thema Angela Merkels Weiblichkeit.... Eieieieieiei Ich glaube zu dem Zeitpunkt habe ich wirklich schon geschlafen. War wohl besser so....

 Und erzähl mir niemand mehr etwas, von wegen Karneval sei nur eine Sauf- und Bumsveranstaltung. Was unter anderem Kölner Karnevalsvereine für eine Energie aufbringen, um den A*f*D-Parteitag in ihrer Stadt zu verhindern, verdient Respekt! Ich verfolge das schon seit einiger Zeit und freue mich mit jedem Mal mehr auf das kommende Wochenende. "Alaaf!", könnte ein neuer, passender Ausruf auf einer Antinazidemo werden. Alaaf!

 Und wer sich noch fragt, wie das denn nun gehen soll, mit dem Engagement hier und dort und überhaupt, der kann sich von den fabelhaften Menschen von Mit Vergnügen Hamburg 11 Tipps dazu geben lassen. Das Meiste davon funktioniert auch jenseits von Hamburg. Los geht´s! Jetzt!

 Und weil es ja die kleinen Dinge sind, lasse ich euch zum Hören noch schnell etwas Älteres von den fabelhaften IMAGINARY CITIES mit "Hummingbird" da und das Hamburger Hummingbirdequvalent in Bildern. Für ein bisschen Frühlingsgefühl im Kopf. 




 Noch schnell bei Andrea vorbeigeschaut und dann habt ein fabelhaftes Wochenende! Auf das die Sonne bald wieder scheint! Denken nicht vergessen.