Donnerstag, 31. August 2017

Von Körper, Gewicht, Kleidung und vom Wohlfühlen


 Da ich mir nicht sicher bin, ob Gewichtsangaben triggern, schicke ich diese Triggerwarnung vornweg: Gewicht, Körper(wahrnehmung). Ich schwimme heute mal ein bisschen auf der aktuellen Trendwelle der Bodypositivity mit, die gerade so sehr angesagt ist. Es fällt mir nicht leicht, diesen Beitrag so zu schreiben wie er mir passt. Ich habe ihn so oft angefangen, geändert, gelöscht, neu angefangen. Aber es muss raus und das bitte ohne Rechfertigungen oder Beschränkungen auf den Körper alleine.


 Das hier ist vermutlich so ein Bild, was viele Menschen als "unvorteilhaft" bezeichnen würden. Sowohl wegen der Pose, als auch wegen der Klamotten, als auch wegen des hier präsentierten Körpers. Mittlerweile kostet es mich allerdings nicht mehr so viel Mut, mich so zu zeigen. Früher war das anders. Zwar denke ich nicht, dass es ein typisch weibliches Problem ist, aber bei vielen Menschen ist dieses Körperdings so sehr im Kopf verankert, dass es weh tut. Ihnen. Und auch mal mir. Du sollst schlank sein. Dick ist von der Gesellschaft unfassbar negativ konotiert. Faul, Schwäche, mangelnde Disziplin. Wahnsinn, was ein weicher Körper so alles über einen Menschen aussagen soll. Über einen Menschen. Es ist meistens erstmal egal, was der Mensch ist, was er tut, was er denkt. 

  
 Auch ich kann davon ein Liedchen singen. Es fing vor meiner Einschulung an und zog sich zu viele Jahre durch mein Leben. Ich war das mopsige, verfressene Kind. Man schleifte mich zu Medizinmenschen, trug seufzend mein Gewicht in Kurven ein und seufzte beim Anblick der Tatsache, dass ich nicht im eingefärbten Normfeld lag. Man suchte mir im Klamottengeschäft seufzend die nächste Klamottengröße raus. Es kniffen sogar Menschen in meinen Speck und ließen dazu nicht freundliche Kommentare los. Ich würde so im Leben dieses und jenes niemals erreichen.... Mein Körper war nicht richtig, ich war nicht richtig. Weil mein Körper nicht richtig war, verlor ich gleich den Spaß an Bewegung. Zack! Teufelskreis. Zu breit kommt bei mir noch das angebliche Problem der Länge... Ich schob Dinge, die in meinem Leben nicht funktionierten, auf meinen Körper. Er stand mir im Weg. Wobei es eigentlich gar nicht so viel gab, was nicht funktionierte. Eigentlich funktionierte das Meiste, mit Ausnahme von sportlichen Höchstleistungen. Ich habe ziemlich viel erreicht.


 Heute weiß ich: Was für ein Scheiß! Und ein großesgroßes Wunder, dass sich aus all dem keine Essstörung entwickelt hat. Mit meinem pädagogisch- psychologischen Wissen ist das ein Wunder (der Resilienz). Ich sehe auf Bildern von früher kein dickes Kind, keinen übergewichtigen Teenager. Derzeit wiege ich 80kg auf 1,80m. Das nur mal so, um eine Adresse zu haben. Medizinisch liegt das manchmal im normalgewichtigen Bereich, manchmal drüber. Es waren auch schon mal 15kg weniger, als ich wegen Uni- und Lebensstress einfach nicht zum Essen kam. Fitter war ich damals auch nicht. Eigentlich ist das auch scheißegal. Das sagt nämlich alles gar nichts über mich aus. Ich bin kein fauler, undisziplinierter Mensch. War ich nie. Auch heute bin ich keine gute Sprinterin und schnell aus der Puste, wenn es sportlich schnell gehen soll. Ist aber auch egal. Ich bin eine mit Stärke und Durchhaltevermögen. Sowohl in sportlicher Hinsicht, als auch im Hinblick auf viele andere Dinge in meinem Leben. Ich bin kein flotter Sportwagen, ich bin mehr so der Panzer. Standfest, geländegängig und mit defintiv mehr PS, als man meint mir anzusehen. Ich bin ein äußerst zufriedener Mensch. Ich bin ein Mensch, der gerne teilt, hilft, denkt, handelt und kreativ ist. Ich bin ein guter Mensch. Verflucht gute 80kg derzeit. Auch mit mehr oder weniger würde das nichts an mir ändern. Bis zu dieser Erkenntnis hat mich mein Körper viel Lebenszeit gekostet, als ich ihn gehasst und verflucht habe. Weil mir andere Menschen, die Gesellschaft ständig gesagt haben, dass er nicht richtig ist. Lebenszeit, mit der man sicherlich besseres hätte anstellen können. Weltfrieden anrichten zum Beispiel oder so (das ist so halb von Laurie Penny abgeschrieben). Das Tragische daran ist, dass dieser Körperhass in vielen Menschen so sehr verankert ist, dass es schwer ist, ihnen was anderes nahe zu bringen.


 Aus diesem Grund tue ich auch den Teufel und stecke Menschen aufgrund ihrer körperlichen Erscheinung in Schubladen. Eine Speckrolle sagt nichts über einen Menschen aus. Ein schlanker Mensch ist nicht automatisch disziplinierter oder aktiver. Übrigens auch äußerst praktisch im Job. Man ahnt ja gar nicht, wie viele Lehrende immer noch krude Körpersozialisation an Lernenden auslassen (und damit meine ich nicht nur das Fach Sport). Ich glaube im Zusammenhang mit den hier gezeigten, selbstgenähten Klamotten auch nicht an die Macht der kaschierenden Kleidung. Niemals würde ich einem Menschen sagen, er solle sich dies oder jenes nicht anziehen. So von wegen Speck gehört versteckt. Wallewallekleidung macht niemanden "schlank". Entweder bist du viel oder wenig. Ich trage ganz gerne enge Kleidung. Sollen die Leute halt wegschauen, denen das nicht gefällt. Ich habe vor einigen Jahren beschlossen, mich in meinem Körper einfach wohlzufühlen. Ich habe nur den einen. Ich fühle mich wohl in meiner Haut. Der Weg zu diesem Gefühl war lang und beschwerlich und er muss jeden Tag aufs neue gegen die ständigen Angriffe aus der Gesellschaft verteidigt werden. Das sollten auch einige andere "einfach" mal tun.


 Kleidung hat Funktionen: Warm halten, Privatsphäre, Wohlfühlen. Die letzten beiden gelten für den Menschen der drinsteckt. Nicht für alle anderen. Ich mag Klamotten in denen ich mich bewegen kann, ohne ständig dran rumzuppeln zu müssen. Denn bewegen tue ich mich ganz gerne. Auch mit diesen neuen Klamotten kann ich jederzeit auf die Yogamatte oder auf Bäume klettern oder auf der Demo vor der Pozilei wegrennen (okay, Schuhe wären bei Letzterem vermutlich hilfreich). Ich habe das unfassbare Glück und Privileg, dass ich meine Klamotten so zaubern kann, wie sie mir passen und wie sie mir passen. Ich muss mir nicht in Umkleidekabinen mit mieser Beleuchtung und unqualifiziertem Verkaufspersonal erzählen lassen, dass mein Körper und ich falsch seien, weil ich nicht in gewollte Klamottengrößen passe. Noch nichtmal von Schnitten muss ich mir das sagen lassen, denn auch die kann ich selber bauen, wie bei all den Klamotten die ich hier zeige. Das feiere ich jeden Tag hart ab, wenn ich mir meine zweite Haut aus dem Kleiderschrank ziehe. Und das hat es mir vermutlich auch leichter gemacht, meinen Körper nicht mehr als feindliches Ding zu betrachten. Ich kaufe auch keine Schnitte mehr, weil ich auch hier die Größenkonotation und -politik diskriminierend finde. Klamottengrößen wurden und werden nach wie vor zu sehr von der Gesellschaft mit kruden Bedeutungen belegt. Dabei sollen das doch eigentlich nur Orientierungshilfen sein.


 Und jetzt habe ich es hoffentlich geschafft, diesen vermaledeiten Artikel ohne Rechtfertigungen runterzuschreiben. Kleine Anekdote am Schluss: Ich kenne Menschen, die durchaus dem gesellschaftlichen akzeptierten Körperideal entsprechen. Diese Menschen erzählen mir oft von Kommentaren zu ihren Körpern, die dahin gehen, dass es ja nicht sein könne oder ungerecht sei, dass sie essen können, was sie wollen/ sie Kinder geboren haben/ keinen Sport machten. Die ziehen sich dann eher nicht körperbetonende Klamotten an, damit sie diesen Kommentaren entgehen. Komplett irrer Quatsch! Es ist egal wie man es macht und was man is(s)t. Es kann nur falsch sein. Und es ist ein riesiges gesellschaftliches und politisches Problem. Es macht Menschen krank und stumm. Hört endlich auf, von Körperformen auf den Menschen darin zu schließen und lasst den Menschen für sich sprechen, nicht seinen Körper.
 Die Outfits sind komplett selbstgenäht vom Top bis zur Leggins. Aus Jerseys aus einem örtlichen Stoffladen. Die Schnitte sind -wie erwähnt- alle selbstgebaut.
 Damit wäre das mein diesmonatlicher Beitrag für die Politisierungssammlung im August und in die heutige Donnerstagssammlung darf er auch noch.

Kommentare:

  1. Ich wiege 87 Kilo verteilt auf 172 cm. In der sichtweise vieler Menschen nochmals unvorteilhafter als bei dir.
    Mein Körperbau gleicht deinem SEHR, wenn ich mir die Fotos so ansehe. Und weißt du, mit meinen fast 90 Kilo fühl ich mich nun wohler als mit 17 als ich schon ebenso groß war aber 65 Kilo gewogen habe.
    Richtig dick mag ich nie werden (auch wenn mich mancheiner wohl shcon so bezeichnet) - ich wil gesund sein. Und ich will mich wohlfühlen. Und ich fühl mich wphl, wenn nicht nur Hüften und Hinter präsent sind, sondern auch der restliche Kürper etwas unterlegt ist. Du hast meine Figur, du weißt du könntest 20 Kilo weniger haben, aber die Proportion bleibt, die Hüfte wird immer rausleuchten. Wohlfühlen im eigenen Körper ist ein hohes Gut, wie fein, dass du das schaffst!

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    1. genau. ich sage ja immer gerne: ich habe nen arsch in der hose, trage aber lieber röcke *lach*
      fühl dich wohl!
      liebe grüße,
      jule*

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  2. Hallo !
    Danke für diese tollen ehrlichen Worte. Ich denke es fühlen sich viele Mädels angesprochen.
    Auch ich hab ein paar Kilo zuviel die einfach nicht runter wollen, aber mittlerweile gehören die zu mir, und wer es nicht mag der soll wegschauen.
    Liebe Grüße Lysann

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    1. es sind selten zuviel. lass dir nichts erzählen.
      liebe grüße,
      jule*

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  3. Ein kluger und wichtiger ARtikel, liebe Frau Jule, und vielen Dank dafür. Wie schrecklich, sich ständig in diesen Bewertungskriterien zu bewegen. DAs geht mir ähnlich und doch kann auch mich nicht lösen, mich deswegen beim Einkaufen nicht mitunter zu entmutigen zu lassen. Ich habe mir mal vorgenommen, mit 30 ist Schluss mit Diäten und Wahn. Nun gut. Das habe ich so halbwegs bis räusper weniger durchgehalten. Danke daher für den Text. Er macht Mut, wieder mal mehr sich auf das zu konzentrieren, was wichtig ist, und das sind keine Normmaße oder Standardkörpereinheiten.
    LG. Susanne

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    1. es gibt wichtigeres als diäten! pasta!
      liebst,
      jule*

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  4. Du schreibst mir aus der Seele!
    LG Quintilia
    www.quintilias.blogspot.de

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  5. Hui, wir sind gleich groß. :) Zum Gewicht kenne ich eher die durchs Bürobistro gebrüllten "Sag mal, kannst du eigentlich alles essen, ohne dick zu werden?"-Sprüche, aber in Sachen Größe könnte ich da einiges beisteuern. Inklusive Vorgesetzten, die fragen, ob es in meiner Höhe nicht schwierig sei, Partner zu finden. Dafuq?!

    Und obwohl ich damit ja tendenziell eher zu den Frauen gehöre, deren Figur den gesellschaftlichen Konventionen verhältnismäßig nahe kommt, habe auch ich viel zu viel Zeit damit verbracht, auf Dellen in meinem Oberschenkel zu starren und mich hässlich und verhüllungswürdig zu finden. Dieses Jahr ist tatsächlich das erste, wo ich einigermaßen häufig diesem inneren Meckerkobold den Mund verboten habe und in verdammt kurzen Kleidern durch Wald und Stadt marschiert bin und Hotpants in freier Wildbahn getragen habe. Was für ein befreiendes Gefühl! Sollen meine Oberschenkel und vernarbten Knie doch ein bisschen durch die Gegend wabbeln. Vielleicht bringt das den einen oder anderen Menschen auf den Trichter, dass auch sein Körper an die Sonne darf.

    Jedenfalls: Danke für diesen Post. Den zu lesen hat sehr, sehr gut getan.

    Liebe Grüße
    Sabrina

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    1. ach gruselig, was die menschen immer meinem einem mitteilen zu müssen.... befreiung ist super! und das mit der größe hast du auf deinem blog ja schon öfter geschrieben. tatsächlich ist mir dazu noch nie (wow!!!) ein kommentar "geschenkt" worden. mit ausnahme, dass ich selten passende schuhe oder hosen und pullis bekomme, die lang genug sind, geht das gerade noch so.
      wir sind doch GROSS(nicht)artig- hihi.
      liebst,
      jule*

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  6. Damit triffst Du genau das, was ich immer mal wieder in meinen Blog einfliessen lassen. Ein ganz, ganz großartiger Beitrag, dem ich voll und ganz zustimme. Gerade letzte Woche fiel es mir wieder auf: Ich bin bei verschiedenen Probenähen dabei und es werden eben viele Passformfotos gezeigt ind ich finde es soooo unendlich schade, dass viele sich für ihre Figur, für ihre Speckrollen entschuldigen. Das muss sich unbedingt ändern. Ich bin mit genau den gleichen Sätzen groß geworden, wie Du. Ich wurde zwar nicht zu Medizinern geschleift, aber diese Sätze haben sich eingebrannt. Ich war immer das "Pummelchen", die beim Essen gebremst werden musste. Als ich vor einigen Jahren alte Kinderfotos von mir fand, wurde kir zum ersten Mal klar, dass ich eine völlig normale Figur hatte, aber meine Eltern einen extremen Schlankheitswahn hinterher hechelten. Darum liegt mir das Thema so sehr am Herzen und ich glaube, es wird dringend Zeit mit Beiträgen wie Deinem und auch zunehmend von anderen dagegenzusteuern. Und es darf keine Welle sein, die irgendwann wieder abflaut. Dieses Thema muss immer wieder auf den Tisch, denn die diskriminierende Sichtweise ist leider auch keine Welle.
    Ich jedenfalls werde diese Themen, auch zu Selbstwert immer wieder aufgreifen.
    Vielen Dank für Deine Worte und diesem sehr wertvollen Beitrag.
    Kleiner Nachtrag: Ich habe gerade bemerkt, dass ich Deine Fotos kaum angeschaut habe, weil der Text so fesselnd und leidenschaftlich war. Ich denke, damit hast Du Dein Ziel erreicht.
    Ganz herzliche Grüße,
    Julia

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    1. richtig! dieses thema darf nicht verschwinden, wie leider so viele andere auch. aber das bekommen wir schon hin ;)
      liebe grüße,
      jule*

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  7. Kürzlich habe ich bei @carry_my_weight_ella aka @ringelmiez schonmal ähnlich kommentiert. Als erwachsene Tochter einer schon immer stark übergewichtigen Mutter begleitet mich das Thema lange. Dick war für mich nie hässlich, dick war für mich immer mütterlich. Mit meiner eigenen Mütterlichkeit habe ich lange gehadert, mütterlich und dünn ging für mich nicht zusammen. Ich war nie über der Norm. Ich gehöre zu den Menschen, die essen, was sie wollen, drei Kinder bekommen, keinen Sport machen (außer Alltagsradeln und Hunderunden) und trotzdem noch in Normklamotten passen. Aber ich hatte immer Angst dick zu werden, weil es meine Mutter so krank und unbeweglich gemacht hat. Weil sie immer so gehadert hat, sich von einer Diät zur nächsten gehangelt hat (ich kenne sie alle ...). Weil es immer ihr Thema war obwohl es doch soviel andere wichtige Themen im Leben gibt. Meine Mutter hat ihre Klamotten auch immer selbst genäht, allerdings um zu kaschieren, vorteilhafter auszusehen. Und es fing bei ihr wie in deiner Kindheit an. Auf den Fotos ihrer Kommunionfeier sehe ich kein dickes Kind. Tatsächlich war sie aber damals, kurz nach dem Krieg, schon von der Schulspeisung ausgeschlossen. To make a long story short: Es wohnen zwei Herzen in meiner Brust. Ein entspanntes, dass Körper in all ihrer Vielfalt (nicht zuletzt durch Aktzeichnen) liebt und immer wieder von der Verschiedenheit der Menschen fasziniert ist (und den eigenen Normkörper dagegen eher unspektakulär findet). Und ein nervöses, dass sich sorgt, sobald Übergewicht beginnt den Menschen einzuschränken, krank zu machen. Deine Fotos lassen mein Herz ganz gelassen. Bei der Gelegenheit: ich lese hier schon lange still und dass sehr gerne, auch wenn ich nicht immer alles direkt unterschreiben kann. Ich hoffe du schreibst hier noch lange!

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    1. lässigkeit. wobei diese mütterliche konnotation ja irgendwie auch - und ich sage AUCH- eine sehr stimmige ist. ruhe und so. die wünsche ich dir in deinem kopf und deiner brust auch.
      liebe grüße,
      jule*

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  8. Vielen Dank für deine unvorteilhaften Bilder, die eine ganz wunderbare Kombinationen aus sehr schönen Teilchen zeigen, inklusive des Körpers und des Geistes, der darin steckt! Vielen Dank für den Artikel und den weiteren Anstoß, nicht zu hadern. Ich habe auch lange gebraucht und brauche noch, weniger die Figur, sondern das ein oder andere Andere (v.a. zuviele Haare an den falschen Stellen, während sie oben drauf zu dünn und wenig sind..und irgendwie ne Form von Hyperhidrose, die auf jeden Fall psychisch ist, ich kanns nur noch nicht einordnen und krieg's nicht hin, dem mal bewußt nachzugehen...belastet aber sehr.) aber eigentlich geht es mir mit mir mittlerweile ganz gut :) Aber ja, auch ich denke immer mal wieder in Schubladen, ungut, geprägt von der Gesellschaft und der eigenen Vergangenheit (als sogenannter "Moppel"). Aber ich merke es und ärgere mich darüber und denke: Scheiß!
    Meine Hausmitbewohnerin war kürzlich mit ihrem da fast 2jährigen kerngesunden strammen Burschen bei irgendeiner U-Untersuchung und ihr wurde gedroht und bescheinigt, dass das Kind eine Neigung zu Adipositas hätte und in der Schule später gehänselt werden würde. Bravo! Und vielen Dank!

    Ein Hoch auf die Frau! Den Mann! Den Menschen! (meine 5jährige Tochter differenziert die "Erwachsenenen" aus irgendeinem Grund in Frau und Mensch... aha.)
    Gruß,
    dörte

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    1. ja, medizinmenschen sind neben lehrenden auch so ein thema, die viel kaputt machen können... lass dich nicht unterkriegen!
      liebe grüße,
      jule*

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  9. Danke, liebe Jule, für diesen Post! Er spricht soviel Wahres aus und damit mir - und vermutlich vielen anderen- aus der Seele.
    Meine Erfahrung ist deiner ganz ähnlich, in manchen Dingen sogar identisch, obwohl einige Kilometer und wenige Jahre zwischen uns liegen. Erschreckend, dass dieses Bild überall herrscht und Kinder/Jugendliche so in ihrem Leben beeinflusst.

    Danke, dass du zeigst, dass Wohlfühlen und Menschsein nichts mit Maßen zu tun hat.
    Wäre es nicht eh langweilig, wenn wir alle gleich aussähen!?

    Viele Grüße!

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    1. es wäre sterbenslangweilig! und diese vielfalt hat ja eigentlich auch nicht nur was mit kröperformen zu tun. da gibt es ja noch ganz andere: behinderung, sexuelle orientierung, haut- und haarfarben undundund. ich mag meine welt ja auch lieber bunt.
      liebe grüße,
      jule*

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  10. Liebe Jule,
    schön, dass du wieder "da" bist! Ich hab mich schon über deine letzten Beiträge sehr gefreut. Deinen Beitrag würde ich am liebsten ganz dick und fett untertreichen.
    Wahnsinn, wie wichtig das Körperbild in der Gesellschaft zu sein scheint. Nicht nur bei Übergewicht, auch bei sehr schlanken Frauen (und sicher auch Männern, da bekomme ich das allerdings sehr sehr viel seltener mit).
    Ich arbeite in einer Kneipe, da bekomme ich häufiger mal Kommentare die mein Aussehen betreffen, sowohl Positives als auch Negatives. Das Highlight war vor ein paar Wochen ein Typ, der meinte mir ein Kompliment zu machen. Für mein Alter hätte ich echt noch 'ne gute Figur. Ja, vielen Dank. In welchem Alter hat man denn bitte welche Figur zu haben?? Der Typ war alkoholbedingt nicht mehr diskussionsfähig. Was das Thema "unvorteilhafte" Kleidung betrifft, gehen die Meinungen ja auch stark auseinander habe ich immer wieder das Gefühl. Ich hab im letzten Jahr selbst stark zugelegt und jetzt trotzdem angefangen mir Kleidung zu nähen, zuerst so bequeme Jerseyröcke, wie du sie auf den Fotos trägst. Blöde Sprüche und Komplimente, war alles dabei. Ähnlich wie du, habe ich beschlossen, mich in meinem Körper wohlzufühlen. So oder so. Meistens funktioniert das auch.
    Liebe Grüße und danke danke für deine offenen Worte!
    Ronja

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    1. wohlfühlen tut so gut, was? und männern geht es genau so auch. fast noch schlimmer, weil bei denen reicht "schlank" alleine ja nicht, da müssen ja auch noch mukkis dran sein und so.... herrje....
      liebe grüße,
      jule*

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  11. Amen, recht so, jawoll. Ich werd dich wohl demnächst verlinken müssen 😉

    Liebe Grüße,
    Anna (...die ihrem Bauch liebevoll den Namen "Squishy" gegeben hat, frei nach findet Nemo. Somit hat er die ultimative Erlaubnis zu existieren 😁)

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    1. awwwww, das ist ja auch eine zauberhafte idee. ich sollte meinem arsch vielleicht auch mal einen namen geben. hehe.
      liebst,
      jule*

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  12. Liebe Jule ! Danke für die gehaltvolle Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex , mein Körper und ich.... , die eine wirklich riesige politisch-gesellschaftliche Bedeutung hat, denn es werden Unsummen Geldes mit der Unzufriedenheit von vorzugsweise Frauen mit ihrem Körper verdient. Da ist das System ja schwer zu knacken...
    Ich bin mit meinem Mutterköper (60 Jahre, drei Kinder )inzwischen zufrieden und versöhnt. Nach Deinem Artikel werde ich allerdings die allermeisten Fertigschnitte ( Burda und so ) aus dem Haus schaffen und nur noch nach selbstmachten Schnitten nähen. Dein Post war sozusagen in dieser Hinsicht der Tropfen, der mir noch gefehlt hat...
    Schönen Dank und LG Gitta

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    1. wow! dass das gleich eine solche ausmistaktion auslöst... respekt! und richtig so, wenn man es kann. und mit dem körperindustriezweig hast du auch absolut recht. irgendwie ist mir das beim schreiben nicht mehr eingefallen.
      liebe grüße,
      jule*

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  13. Du triffst es genau! Vielen Dank für deinen Beitrag. Meine Erfahrungen decken sich mit deinen fast 100% Ich war auch immer das dicke Kind und habe darunter sehr gelitten. Richtig ausgesöhnt habe ich mich mit meinem Körper erst seit meiner Schwangerschaft. Nachdem was er während dessen und bei der Geburt geleistet hat, empfinde ich eine große Ehrfurcht für ihn und habe ein viel positiveres Bild von mir bekommen. Das Selbernähen hilft mir auch sehr. Einfach passende Sachen zu nähen ändert viel. Meine Tochter bekam bei ihrer U-Untersuchung mit zwei Jahren auch schon Übergewicht bescheinigt. Was für ein riesen Quatsch! Liebe Grüße Julia

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    1. ja, der bmi und was es da nicht alles für kinder sonst so gibt... echt quatsch. danke für deinen sehr persönlichen kommentar.
      liebe grüße,
      jule*

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  14. Liebe Frau Jule,
    Du bist genau richtig so, wie Du bist! Und wie schön, dass Du es hier so zeigen magst!
    Ich finde, jeder Mensch darf sich wohlfühlen, so wie sie/ er eben aussieht. Und der einzige Grund, etwas zu ändern sollte der sein, dass mensch sich eben nicht wohlfühlt. Schade, dass dabei die Gesellschaft so einen großen Einfluss hat.
    Also, vielen Dank für deine offenen Worte! Ich hoffe, sie werden oft gelesen und ernst genommen!
    Liebe Grüße
    Antje

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  15. Das Bizarre ist ja, dass man als dünne Person auch mit negativen Assoziationen behaftet ist. Wir sind kalt, hart, überdiszipliniert und genussfeindlich. Ich glaube, es geht überhaupt nicht um Körper, sondern nur darum, die Menschen runterzumachen.
    Und ich habe mit meinem Körper auch so manches nicht erreicht. Höchstleistungen im Sport, zum Beispiel. Ach, überhaupt irgendwelche Leistungen im Sport.

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  16. Ich bin echt ziemlich hinterher mit Kommentieren...
    Über diesen Beitrag habe ich lange nachgedacht. Er kam ein paar Tage nachdem ich nach Monaten mal wieder auf der Waage stand. Aber diese Zahl hat mir eigentlich weniger ausgemacht als die Tatsache, daß ich in meine Lieblingshose nicht mehr reinpasse. Ich war einfach den Großteil meines Lebens dünn, das war für mich normal und ich hab so einiges an Neid abbekommen. Trotzdem hatte ich ein paar Jahre mal keinen Bikini an. Danke für die Erinnerung nicht so streng mit mir zu sein. :) Und momentan sind gesundheitliche Sachen erstmal wichtiger. Mit weniger Fast-Food und etwas mehr Bewegung wird das schon von alleine wieder - also akzeptieren und gut drum kümmern ;)
    Liebste Grüße
    Janina

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