Dienstag, 8. August 2017

A SUMMER´S TALE 2017


  Ich hatte ja angekündigt, dass ich in diesem Jahr mal ein neues Festival antesten werde: A SUMMER´S TALE. So fuhr ich vergangenen Mittwoch mit Frau und Herrn Postriot in die wilde Heide nach Luhmühlen. Ich war hochgespannt. 


 Antje kam auch hin und wieder vorbei und die Radaufrau habe ich auch endlich mal in echt getroffen. Fantastisch! Dazu habe ich noch einige alte Bekannte aus früheren Tagen wiedergetroffen. Hätte ich ja nicht geglaubt. Aber so war das. Und das Festival? Ich war ja wieder an erster Stelle für allschools.de dort. Das hieß für mich, dass die Musik im Fokus stand. Von den Workshops und sonstigen Angeboten habe ich tatsächlich nicht so viel mitbekommen. Es war sehr schwer, einen Platz in einem der Workshops zu ergattern. Einige spannende wären ja dabei gewesen, aber gut. Immerhin habe ich es zu einer Vinyasa Yogastunde geschafft und am Comic Crashkurs teilgenommen. Ein wenig habe ich auch dem Zero Waste Vortrag gelauscht. Grundsätzlich muss ich zu den Angeboten aber sagen, dass sie für mich inhaltlich nicht viel Neues boten. Dafür renne ich vermutlich einfach zu viel mit offenen Augen und Ohren durch die Gegend. Für Menschen, die sonst anderes zu tun haben, ist ein solches Festival aber sicherlich eine super Sache, um mal mit bestimmten Dingen, abseits des Mainstreams in Berührung zu kommen.


 Musikalisch waren aber ein paar ziemliche Perlen dabei. Wobei dazu gesagt werden muss, dass das Publikum bedingt entusiastisch auftrat. Eröffnet wurde das Festival von BERND BEGEMANN & DIE BEFREIUNG und im Anschluss spielten DIE STERNE auf. Beim IMMERGUT FESTIVAL war genau das ebenfalls die Eröffnung. Allerdings wurde im Osten dabei alles abgerissen. Das A SUMMER´S TALE ist eben etwas entspannter und zivilisierter. 


 Lesungen gab es auch. Am Donnerstag zum Bespiel die Hamburger Türsteherlesung. Ich bin ja große Fanin. Frau Postriot und meine Wenigkeit waren schon zum Soundcheck da, schlürften Kaffee und pöbelten ein bisschen rum. Das wiederrum führte dazu, dass diese drei Herren uns ein wenig ins Gewissen reden wollten und sich auf ein Pläuschchen zu uns gesellten, bevor sie auf die Bühne gingen. Fabelhaft! So geht Faninbetreuung.


 Ansonsten verlief der Donnerstag auch weiterhin sehr entspannt. THOMAY DYBAHL klang  ein bisschen wie JOE COCKER im Fahrstuhl. Sehr lauschig.


 THE COMMON LINNETS waren auch ganz angenehm poppig mit Countryanleihen. Es muss ja nicht immer der große Kracher sein. Gut, aber für meinen Geschmack eher so zum Dahindümpeln. 


 Von PJ HARVEY hatte ich irgendwie mehr erwartet. Es war etwas schwach, wenig schwungvoll und eben sehr künstlerisch. Da schieden sich die Geister. 


 Dafür hatte ich wahnsinnig viel Spaß an JOHNOSSI. Ich hatte sie vor ein paar Jahren schonmal live gesehen. Irgendwie haben die aber noch eine Schippe draufgelegt. Eine großartige, unfassbar energiegeladene Show. Richtig gut.


 Und die PIXIES? Ja, großartige Band. Haben viel zur Musikgeschichte beigetragen. Sind aber eben auch schon ein paar Jahre älter und das merkte man. Musikalisch, technisch einwandfrei, aber eben irgendwie auch ein bisschen gefühllos. Dürfen sie vielleicht auch einfach, nach all den Jahren.


 Dafür war ja der Freitag voll mein Tag. Nach einer lustigen Lesung von HEINZ STRUNK ging es musikalisch mit ROCKY VOTOLATO los. Ein Musiker, mit dem ich so viel verbinde, den ich immer und immer wieder so hart abfeiere. Das führte auch dazu, dass ich direkt bei den ersten Akkorden im Fotograben nasse Augen bekam. Das war sososososo wunderbar! Was für ein großartiges Konzert im Sonnenschein! Ich war danach emotional komplett bedient. Dieser Mann weiß, wo es weh tut. Hach!



 Zu GET WELL SOON und den anschließenden DEAR READER habe ich mein explodiertes Herz dann notdürftig mit Gaffatape geflickt. Das ging ganz gut.


 Zu CONOR OBERST knirschte es dann wieder in meiner Brust. Auch er hat einen Platz in meinem kleinen Emoherz. Die Sonnenbrille hätte ich an diesem Tag vermutlich auch gut gebrauchen können. Da riss das Gaffa in der Brust. 


 Komplett fertig gemacht haben mich dann VON BRÜCKEN. Live hatte ich sie noch nie gesehen, obwohl ich des Sängers erste Band JUPITER JONES auch sehr mochte (auch vor diesem untypischen Hit). Ganz vorbei war es an dem Zeitpunkt, als diese fabelhafte Band dann nochmals ROCKY VOTOLATO und seine Begleitung auf die Bühne baten. Taschentücher alle, Herz kaputt, alles vorbei. Wahnsinn, was Musik so anstellen kann.



 Eigentlich kam nach VON BRÜCKEN auf der Hauptbühne BIRDY. Das war mir dann aber irgendwie zu poppig. Zu Fotografieren gab es da auch nicht viel. Ich gönnte mir eine Pause und habe wahrhaftig drei Kreuze geschlagen, dass THE NOTWIST im Zeltraum und FRANZ FERDINAND im Anschluss auf der Hauptbühne wenigestens musikalisch tanzbare Töne anschlugen. Das hat sehrsehr gut getan. Danach hätte ich eigentlich nach Hause fahren können. Aber ich blieb, schließlich war das Festival ja noch nicht vorbei. 


 Am letzten Tag war ich dann doch ein bisschen gerädert. Morgens bin ich zum Yoga und danach total yogaverstrahlt zu ROCKO SCHAMONI. Ich brauchte einen leichten Tag und der Samstag war wie gemacht dafür. Wenig Musik, die mich sowohl aus musikalischen als auch aus fotografischen Gründen gereizt hätte. So konnte ich mir dann noch den Comic Crashkurs geben.


 Pünktlich zu ELEMENT OF CRIME war ich dann wieder am Start. Ein paar Bilder und die Festellung, dass mir Sven Regener live immer noch zu anstrengend ist. Zumindest an Tag vier des Festivals. Also bin ich atmen gegangen.


 Alte Menschen können aber auch noch ganz gut Feuer unterm Arsch machen. Die STEREO MC´S sind nun auch nicht mehr die jüngsten, aber das war wahrhaftig eine fulminante Show. Füße stillhalten ging da gar nicht mehr. Antje und ich tanzten ordentlich rum. Fabelhaft.


  Und damit war das wohl mein erstes A SUMMER´S TALE. Ob es mein letztes gewesen ist, weiß ich noch nicht.


 Die Quintessenz? Ein entspanntes Festival, definitiv. Leider kommt man sich da unbekindert zwischenzeitlich etwas underdressed vor. Es waren irre viele Kinder dort. Ein ordentliches Kinderprogramm gab es auch. Von Konzerten bis hin zu Spiel- und Entertainmentbereichen. Mich haben die ganzen Kids zwischenzeitlich ein wenig gestresst, weil sie einem ständig vor die Füße gelaufen sind, einen mit Sand beworfen haben und sonstwas. Aber das ist absolut mein persönliches Problem. Für Familien ist dieses Festival vermutlich sehr super. Das liegt außerhalb meiner Urteilskraft. Ich hab es ja in meiner Freizeit lieber kinderfrei. Witzig fand ich allerdings die Situation, als ein Kind mich mit Sand bewarf und ich mit einem fetten Grinsen Konfetti zurückwarf. Da lief es doch mal schnell, schreiend zu Mama. Die Mutti grinste mich nur belustigt an. Frau Jule macht Kindern Angst. Mit Konfetti... Ich musste ein wenig kichern.

 
 Ein weiterer Bonus eines solch (familien)freundlichen Festivals, war ziemlich augenscheinlich auch eine fette Einladung an behinderte Menschen. Ich habe bisher auf noch keinem Festival so viele behinderte Menschen gesehen. Sowohl Erwachsene als auch Kinder. Ich kann nur mutmaßen, woran das liegt. Rollstuhltribünen gibt es auch auf anderen Festivals und ich weiß nicht, ob das Gelände nach mehr Regen noch Rollstuhlbefahrbar gewesen wäre. Anziehend wirkt das A SUMMER´S TALE dahingehend aber wohl und das finde ich natürlich sehr begrüßenswert. 


 Was mich im Übrigen am meisten irritiert hat war, dass ich ständig und in unterschiedlichen Situationen gesiezt wurde. Auch das ist mir auf noch keinem Festival passiert. Ich fand das echt schräg und fühlte mich irre alt. Ja, das A SUMMER´S TALE ist wahrhaftig ein sehr gut erzogenes, erwachsenes Festival. Wie erwähnt super für Menschen mit Kindern, für behinderte Menschen scheint das auch ganz gut zu funktionieren. Kaum betrunkene, pöbelnde Knallidioten. Es war auch fabelhaft kuratiert, wie man nach einem Immergut gesagt hätte. Ich glaube allerdings, dass ich für sowas noch ein bisschen zu jung bin. Ich hatte ein paar fabelhafte Tage mit vielen Emotionen, lieben Menschen, guter Musik und meistens gutem Wetter an der frischen Luft. Ich danke FKP Scorpio, dass sie mir diese Erfahrung ermöglicht haben.


 Mehr Bilder und Text wie immer drüben bei allschools.de:

Montag, 7. August 2017

Politisiert euch: Ergebnisse im Juli und neue Sammlung

 Es ist der erste Montag im Monat, Zeit für eure Beiträge! Unter dem Motto: "Zeigt das Politische im und beim Handarbeiten auf", veröffentliche ich jeden Monat eine Sammlung von Blogbeiträgen aus der Handarbeitssektion. 
 Auch wenn mein Blog gerade eine kleine Sommerpause macht, möchte ich euch die Ergebnisse nicht vorenthalten. Die Pause wird noch ein bisschen weitergehen, aber irgendwann werde ich auch wieder voll weiterbloggen. Ich habe einfach zuviel in meinem Kopf, als das ich das alles für mich behalten könnte. Vergangenen Monat waren die meisten Beiträge zum politischen Handarbeiten mit der CSD-Blogparade der fabelhaften Karin verknüpft. Ich sehe das ja keinesfalls als Konkurenz sondern als wunderbare Möglichkeit, sich diesem Thema auf vielfältige Art und weise zu nähern und es aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zu beleuchten. Und es macht deutlich: Nicht nur Handarbeiten ist politisch, sondern auch die Liebe. Schaut auch unbedingt nochmal in ihrer CSD- Linksammlung vorbei. Nun aber zu den bei mir "eingereichten" Beiträgen. Die Bilder stammen jeweils von den Bloggenden.


 Die Radaufrau hat sich im vergangenen Monat mit Heteronormativität und der Manifestation in Köpfen beschäftigt. Auch mit Vorurteilen in der Gesellschaft. Ein Thema, das auch mir auf den Nägeln brennt. Ein halber Blogpost dazu ist schon fertig. Sie hat das sehr tiefgründig, persönlich, aber auch mit dem entsprechenden wissenschaftlichen Hintergrund getan. Dazu gab es einen ganz Haufen kleiner bunter Wichtel.


 Sabrina hat sich zum Thema Feminismus und weiblich konotiertes Handwerken und dessen Wertschätzung angenommen. Kurz und knackig und auf den Punkt. Dazu gab es das bestickte und selbstgenähte Feministenmonster. Mir fiel dazu spotan und leise kichernd ein: "Ein Monster geht um in Europa, das Monster des Feminismus...." Buah!


 Ebenfalls ein CSD-Thema hat Julia aufgegriffen. Sie erzählt von ihren Erfahrungen mit Menschen, die ihre eigenen Erfahrungen mit Diskriminierung und Akzeptanz im Hinblick auf sexuelle Vielfalt gemacht haben. Die von ihr genannten Beispiele dürften sich immer wieder und wieder wiederholen, aus Gründen, die z.B. die Radaufrau oben aufgezeigt hat. Dazu hat Julia ein bisschen Guerillaknitting betrieben.

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 Janina hat in diesem Monat dann für ein bisschen Vielfalt in dieser Sammlung gesorgt. Sie hat sich mit der "Problematik" subkulturelles Outfit bei der Arbeit beschäftigt. Dazu gab es einen ganzen Stapel selbstgenähter oder upgecycelter Klamotten. Ich gehöre ja auch nicht zu den Menschen, die sich auf der Arbeit verkleiden, weil sie nicht sie selbst sein können. Hat mir auch schon Probleme bereitet, aber ich finde ja immer, das sind eher die Probleme von normativ denkenden Menschen.

 

 Ich selber habe mich auch mit einem CSD-Thema beschäftigt. Es ging um die Auswirkungen von Diskriminierung von Menschen unterschiedlichster sexueller Orientierung. Dazu gab es ein kunterbuntes, gar nicht spießiges Stickbild. 


 Ihr wollt mit- und weitermachen? Gerne! Weil ich keinen weiteren Post eröffnen möchte, würde ich die Sammlung für August gerne einfach hier unter dem Post einrichten. Gleiches Spiel wie die letzten Male:

 1. Sucht das Politische im und beim Handarbeiten. (Es muss ja auch nicht zwangsläufig was mit Nadeln zu tun haben)
 2. Stellt dabei ein Projekt vor, in dem ihr das Politische gefunden habt, oder bei dem ihr politische Gedanken gewälzt habt. Blogt darüber.
 3. Postet unter diesem Beitrag einen Link zu eurem Beitrag. Schön wäre hierbei ein Hinweis mit Link auf diese Aktion zu meinem Blog. Vermerkt sehrsehr gerne, ob ich ein Bild aus dem Beitrag für die Sammlung verwenden darf. Ende der Sammlung ist der letzte Tag des Monats.
 4.  Menschen ohne Blog, die dennoch einen Beitrag liefern möchten, dürfen mich gerne anschreiben und ich stelle unter bestimmten Umständen einen Gastbeitrag auf meinem Blog online.
5. Habt keine Angst vor Sprache, Formulierungen, Kontroversen, Lücken in der Argumentation. Supportet euch gegenseitig! Irgendwann und -wie muss man einfach anfangen. 
 Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass mit den Händen arbeiten nicht zum Selbstzweck verkommt. Lasst uns Hirn und Flagge zeigen und dass in jeder von uns ein bisschen Supergirl steckt, die die Welt zu einem besseren Ort machen möchte. Veränderungen passieren zuerst im Kopf. Zeigt auf, dass da auch beim Handarbeiten was passiert. Ich hoffe, das alles ist in eurem Sinne. Auf einen aktiven August!

Dienstag, 18. Juli 2017

CSD-Blogparade: Homo Sweet Homo


 Und über die Welt zieht gerade eine bunte Regenbogenkaravane. Überall laufen die bunten CSD-Paraden. Seit dem 28.06. auch durch die Bloggendenwelt. Ich habe mich so sehr gefreut, als Katrin von grüner nähen in meinem Mailfach anklopfte und fragte, ob ich gerne an der CSD-Blogparade teilnehmen möchte. Ich habe bereits zum Thema staatliche Diskriminierung etwas losgelassen und ein paar Bilder von der CSD-Parade in Köln gezeigt. Heute ist aber mein hochoffizieller Paradenbeitrag dran.


 Zu Beginn war die Idee noch, das Thema mit etwas Selbstgemachtem zu verknüpfen. Die Idee wurde im Laufe der Zeit etwas aufgehoben. Eröffnet ja auch viel mehr Türen und lädt noch viel mehr Menschen ein, über dieses Thema zu schreiben. Ich habe natürlich etwas gehandarbeitet. Erinnert ihr euch noch an das sinnlose Einhorn? Ich habe das einfach mal ein bisschen weitergesponnen.


 Tatsächlich ist dieses Bild schon verschenkt an einen äußerst lieben Menschen. Ich habe einige seiner "Art" in meinem Leben getroffen und immer haben mich ihre Geschichten bewegt. Bei einigen war ich live bei Diskriminierung, Outing und sonstigem Quatsch, der ihnen aufgrund ihrer Liebe passierte dabei. Eigentlich sollten es Geschichten von Liebe, Sex und Zärtlichkeit sein, doch so viele von diesen Geschichten standen unter tiefschwarzen Schatten. Sie sollten Privatsache sein, doch sie sind Politikum. Diskriminierung, Angst eben davor, Verzweiflung und Mutlosigkeit habe ich dabei stapelweise mitbekommen. Ich habe Menschen die Hand gereicht, die unter einem so großen Leidensdruck standen, dass Drogen, Selbstzerstörung und suizidale Tendenzen das Leben bestimmten. Und nein, nicht wegen Liebeskummer, sondern aus Angst vor Reaktionen auf ihre Liebestendenzen. Weil sie von Familienmitgliedern verstoßen wurden, weil sie nicht ernst genommen wurden, weil ihre sexuelle Orientierung nicht ins Konzept passt. Und auch, weil Politik in Deutschland verhindert, dass Menschen, die nicht der Heteronorm entsprechen, von Ehe, Familiengründung und selbstbestimmter Lebensplanung ausgeschlossen wurden (aaahhhh!!! ich darf wUrden schreiben-yay!). Ich habe Menschen begleitet, die wegen ihrer sexuellen Orientierung ernsthaft und lebensbedrohlich psychisch krank wurden, weil ihre sexuelle Orientierung von vielen Menschen unserer Gesellschaft immer noch als krank (und vermutlich ansteckend) wahrgenommen wird. Und spätestens bei Lebensbedrohung wird es hochdramatisch.


 All diese diskriminierenden Tendenzen empfinde ich als überaus kleinbürgerlich, ewiggestrig, konservativ. Ähnlich wie Kreuzstich. Darum war es mir eine große Freude diesen spießigen Kreuzstich und das spießige "home sweet home" einfach mal umzudrehen und als kleine Persiflage umzusetzen. Beim Sticken dachte ich an all die Menschen, die sich nicht wohl in ihrer Haut fühlen, weil sie die oben genannten Ängste und Befürchtungen haben, weil sie für ihre Liebe durch die Hölle gehen müssen, weil sie immer noch Ausgrenzung und Beschneidung ihrer Rechte und Träume ertragen müssen. Und ich dachte daran, dass ich gar nicht genug Hände habe, die ich reichen möchte. Mit diesem Bild möchte ich sagen: Ihr seid in Ordnung, egal wen ihr liebt, mit wem ihr Sex habt, wie ihr euch kleidet, zu welchem Geschlecht ihr euch zugehörig fühlt. Seid Menschen und liebt wen ihr wollt!


 "We are not all the same but we are all of equal worth" (Wir sind nicht alle gleich, aber wir haben alle den selben Wert) steht auf dem fabelhaften Shirt, das die Menschen von inkluWAS vergangenes Jahr zum Hamburger CSD gestaltet haben. Und genau so ist es. Inklusion geht eben nicht nur behinderte Menschen an, sondern betrifft so viele mehr. Da schließt sich der Kreis zu meinem Aktionsraum. Auch an noch so vielen anderen Ecken und Enden mehr, aber dazu ein anderes Mal. Das sinnlose Einhorn hat somit eine Existenzberechtigung bekommen. Der Rahmen stammt vom Trödel. Heute geht all das noch in die CSD- und der Dienstagssammlung.

Samstag, 15. Juli 2017

Samstagskaffee und Netzfunde # 20


 Ich habe schon wieder eine neue Tasse geschenkt bekommen. Es gibt da so Menschen, die mir irgendwie öfter Tassen schenken. Ich glaube, die denken, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank. Stimmt ja auch irgendwie. Dieses Mal ist es eine mit einem schwarzen Stern drauf geworden. Wenn die Schenkenden wüssten, wofür dieser Stern politisch steht, hätten sie sicherlich eine andere Farbe ausgewählt. Oder ein anderes Motiv. So habe ich aber was zum in mich hineinkichern.


 Netzfunde und Gedanken gab es in den vergangenen Tagen auch:

 Man kann schonmal böse werden, wenn Politik Dinge verspricht, die nicht eingehalten werden. Im Falle von Stella ging es um Frauenrechte und vor allem Damenbinden (!!!) damit ugandischen Mädchen auch während ihrer Menstruation in die Schule gehen können. Ja dafür kann man auch verhaftet werden. Wir leben in einer von Männern regierten Welt.... Die Menschen von Ruby Cup haben dieses Problem ebenfalls schon vor einiger Zeit erkannt und haben dazu ein "Buy One- Give One" Programm
 Spannend, dass kurz nach G20 direkt wieder die Disskusionen um die Existenzberechtigung der Roten Flora sogar auf Bundesebene angeschubst wurde. Was für ein dummer Quatsch! Ist ja grundsätzlich nichts Neues. Das Thema kommt jedes Mal wieder aufs Tablett, wenn es irgendwo auch nur ein bisschen brennt. Es ist ja auch super, wenn man einer Gruppe in einem "komischen" Zentrum die Schuldkarte zuschieben kann. Das ist aber auch unfassbar kurz gedacht: 1. Kann ich mich noch lebhaft daran erinnern, was das letzte Mal auf den Straßen los war, als eine Räumung drohte; 2. Müsste man dann auch gleich noch Hafenstraße, Centro Sociale und Gängeviertel am Valentinskamp räumen, wenn sie das wirklich ernst meinen und die Gemüter damit zu besänftigen denken und dann gute Nacht Hamburg; 3. Wäre dann nicht nur das letzte bisschen gutes Leben aus der Schanze raus, sondern vermutlich aus der ganzen Stadt. Und das meine ich nicht wegen der drohenden Auseinandersetzungen, sondern wegen des Sterbens eines wichtigen und richtigen Teils von (Sub)Kultur in dieser Stadt. Tatsächlich scheinen auch die Geschäftstreibenden in der Schanze am Erhalt der Flora interessiert zu sein. Ich mag die Flora auch sehrsehr gerne. Darum: Flora bleibt!!! Im Zweifel werde ich dann wirklich zur militanten Tante. Denn wie NEONSCHWARZ wissen: "Ich will nicht wissen, was passiert, wenn sie die Flora räum´."

 Astrid hat sich gestern auch noch u.a. mit den Menschenrechtsverletzungen vor allem im Hinblick auf den Entzug diverser Presseakreditierungen beschäftigt. Sehr schön aufgearbeitet und kommentiert. Ich finde es ja immer wieder äußerst aufbauend, wenn man im Kreativbloggendenland so sehr einer Meinung ist, auch wenn uns einige Erfahrungen unterscheiden.

 Mit der Polzilei tue ich mich ja auch immer ein bisschen schwer. Da bekomme ich für meine Meinung aber so oft verbale Kloppe, dass ich meistens lieber den Mund halte. Ja, manchmal bin auch ich disskusionsmüde. Darum danke ich das nuf für ihre feine Analyse der Pozileiproblematik beim G20-Gipfel. Und meiner Erfahrung nach, kann man das ungefähr auf so jede Demo anwenden, an deren Rändern es knallt. Mich macht ja die pure Sichtbarkeit der martialisch anmutenden Pozilei und deren Gerätschaften auf Demos immer schon höchstaggressiv. Aber als gutes Mädchen habe ich ja früh gelernt, meine Wut runterzuschlucken. Mal sehen, wann das nicht mehr klappt.

 Apropos Anarchie: Frau Stokowski hat sich mal wieder in mein Herz geschrieben. Erinnert mich auch an eine Szene auf einer Konferenz meiner Referendariatsschule:
 Schulleitung: "Wir brauchen irgendeine Maßnahme, was wir machen, wenn in einer Klasse der Punk tobt." 
 Kollegin: "Na, dann müssen wir uns eigentlich keine Gedanken machen. Im Zweifel ist Frau Jule da dann ja gerade drin." 
 Das bezog sich weniger auf meinen Unterrichtsstil oder meine Autoriät ggü. Klassen, als vielmehr auf meinen allgemeinen Stil.... Jaja. Aber: "Wenn in dieser ganzen G20-Sache etwas anarchistisch war, dann die Aufräumaktion der Leute, die sich hinterher auf den Straßen zum Aufräumen trafen: Gegenseitige Hilfe ist ein Prinzip des Anarchismus, blinde Zerstörungswut ist es nie gewesen." (Zitat aus dem o.g. Artikel)

 Hamburg räumt auf fand ich ja auch eine ziemlich feine Sache. Das passiert übrigens nicht nur nach dem G20 sondern regelmäßig einmal im Jahr. Privatmenschen, Schulklassen und Vereine machen da auch mit. In allen Stadtteilen. Eigentlich nichts neues, ich habe da auch schon mitgeputzt, aber die Videos in diesem Beitrag fand ich ganz nett. In meiner Instadingstimeline ploppte dazu folgender Spruch auf: "So sauber war es in der Schanze noch nie. Der nächste, der hier seine Pizza fallen lässt, kann die 3-Sekunden-Regel anwenden." 

 Anderes Thema. Ein Grund mehr auf meiner Argumentationsliste, weshalb ich keinE KindEr bekommen werde: Der CO2- Ausstoß. Zynisch, aber kann ich ja mal anbringen. 

 Das neue Video von MACKLEMORE zum 100sten Geburtstag seiner Großmutter hat mich grinsen lassen. So zauberhaft! 

 
 Sonst gibt es hier leider gerade nicht so viel zu grinsen. Es ist nicht so, dass dieses Jahr bisher durchweg kacke gewesen ist, aber es sind einige Sachen passiert, die nicht besonders lustig waren. Letzte Woche dann noch die Krönung. Ich weiß gerade nicht so richtig wo vorne, hinten, oben und unten ist. Wäre dieser Beitrag hier nicht schon so weit vorbereitet gewesen, würde der heute auch nicht online gehen. Ich habe noch genügend Beiträge im Vorratsschrank, mit denen ich den Blog für Wochen auf Autopiloterie schalten könnte, aber das möchte ich nicht. Zumal wieder einige kritische dabei sind und mir fehlt im Moment einfach alles, um doofe Trollkommentare zu kontrollieren oder zu erwidern, die ja in letzter Zeit irgendwie öfter auftauchen. Es bleibt erstmal still. Auch zum Kommentieren auf euren fabelhaften Blogs wird es nicht reichen. Mein CSD-Paradenbeitrag am kommenden Dienstag werde ich auf Automatik stellen und dann mal sehen. Noch rüber zu Andrea und dann brauche ich ein bisschen Zeit zum Atmen.

Dienstag, 11. Juli 2017

Ich gebe euch Protestkultur!!!


 
 "Einerseits finde ich Protest absolut notwendig, andererseits ist leider längst keine Protestkultur in unserem Land vorhanden." 

 Das ist ein Zitat aus einem Kommentar unter meinem Samstagspost. Von "unserem Land" möchte ich mich gerne wie hier abermals hart distanzieren. Ich weiß, man soll sich solche Kommentare nicht so zu Herzen nehmen, aber: Man, musste ich mich zusammenreißen, in meiner Antwort nicht ausfallend zu werden. Der Kommentar fühlte sich an, wie Schlag ins Gesicht. Seit 35 Jahren (okay, die ersten wohl eher im Kinderwagen) demonstriere ich. Ich protestiere, lerne, denke, schreibe, kläre auf, diskutiere, boykottiere, solidarisiere, blockiere auf Demos, Kundgebungen, Familientreffen, im Alltag, in Arbeitszusammenhängen, an Klamotten, Wänden und auch hier auf dem Blog, male Transparente, Fahnen und Aufnäher und dann sowas. Autsch! Heute denke ich: Ich geb dir Protestkultur!!! Zum Thema "linke Gewalt" habe ich mich auf dem Blog tatsächlich schon hier ausführlichst geäußert. Und weil schon alles gesagt wurde, heute mal nur Bilder. Eine Menge Bilder von Protestkultur. KULTUR!!!

























 Selbst Karneval ist eine Form des Protestes und der trägt sogar den Titel "immaterielles Weltkulturerbe" der UNESCO. KULTUR!!!!!


 Gerade am Wochenende wurde ich schon wieder als radikal und extrem bezeichnet. Ernsthaft: Wenn das so weitergeht, dann nenne ich mich demnächst selbst so und zeige, was frei, radikal, extrem und links noch so alles sein kann. Und wem das immer noch nicht genug ProtestKULTUR ist, der macht es einfach mal selbst, oder hält einfach die Klappe. DIY- OR DIE!!! MAAAAHHHHHHHH!!!!!!!